Den "Hexen" auf der Spur

Lässt man den Blick über den Hahnenkamm schweifen, fallen sofort der Reichtum und die Vielfalt der Natur dieses Höhenzuges auf. Doch die Marktgemeinde Heidenheim beherbergt dazu noch einen ganz besonders seltenen Schatz, der in den vergangenen Monaten für viel Wirbel gesorgt hat: Die Berghexe, ein gut getarnter, vom Aussterben bedrohter Schmetterling, der sich auf den steinigen Hängen rund um Heidenheim besonders wohl fühlt. Um den Geheimnissen des seltenen Tagfalters auf die Spur zu kommen und ihn mit etwas Glück auch zu entdecken, kamen interessierte Bürger*innen am Fuße des Schafbergs zusammen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Geführt vom Gebietsbetreuer und Berghexen-Spezialisten Adi Geyer zog die Gruppe über den Schafberg und die Berghexen ließen nicht lange auf sich warten. Zahlreiche Exemplare flogen über den Schafberg, andere saßen unscheinbar und gut getarnt auf dem steinigen Magerrasen. Nebenbei zeigte Adi Geyer anhand des Schafbergs, wie der optimale Lebensraum für die Berghexe aussieht, denn diese stellt ganz besondere Ansprüche. Um einen offenen, steinigen Magerrasen für den Tagfalter zu schaffen, ist eine besonders intensive Beweidung erforderlich. Am Schafberg sorgt die Koppelhaltung mit Ziegen für den optimalen Effekt, erklärte Adi Geyer.

Die Berghexe besiedelt sonnige, trockene und spärlich bewachsene Kalkmagerrasen mit offenen Stein- und Schotterflächen. Diese heizen sich schnell auf und gewähren ihr so den benötigten Lebensraum. Die Hänge rund um Heidenheim bieten hierfür optimale Bedingungen. Aufgrund von Verbuschung und dem dichter werdenden Bewuchs auf den Magerrasen hat der Berghexenbestand in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen. In Bayern ist die seltene Art nur noch an drei Standorten zu finden. Das Vorkommen bei Heidenheim beherbergt mit deutlichem Abstand die größte und stabilste Population. Um den Bestand langfristig absichern und ausbauen zu können, reicht der Schafberg alleine aber bei Weitem nicht aus. Hierfür bedarf es einen Biotopverbund über weitere Flächen, die diesen Lebensraum bieten können. Die weitläufigen Magerrasen des ehemaligen Kasernengeländes bei Heidenheim bieten bieten aufgrund der Süd-West-Exponierung und der offenen Steine ein hohes Potential für einen optimalen Berghexen-Lebensraum, so Adi Geyer.

Um die wertvollen Magerrasen generell offenzuhalten ist in erster Linie eine Beweidung erforderlich. Doch ohne Hilfe können die Schafe und Ziegen die Flächen nicht offenhalten. Daher sind Entbuschungen notwendig, um die brachgefallenen Magerrasen wiederherzustellen und notwendige Triebverbindungen für die Schäfer zu schaffen und zu erhalten.

Um die freigestellten Flächen offenzuhalten ist in den Jahren nach der Entbuschung eine Nachpflege notwendig. Dazu werden die aufkommenden Gehölze jeweils im Sommer entfernt. So kann sich auf den entbuschten Flächen ein Magerrasen entwickeln, der nicht nur für die Berghexe, sondern auch für zahlreiche andere seltene Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum bietet. Nach den Entbuschungen im Winter konnte die Nachpflege rund um die ehemalige Kaserne, in Abstimmung mit den Flächeneigentümern, für 2022 nun größtenteils abgeschlossen werden.

Seit einigen Jahren werden in Heidenheim vermehrt Maßnahmen für die Berghexe umgesetzt. Organisiert und begleitet werden diese vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V., finanziert über die Regierung von Mittelfranken. Dem Landschaftspflegeverband ist es besonders wichtig die Arbeiten an örtliche Landwirte zu vergeben und somit die regionale Wertschöpfung zu stärken. Sämtliche Maßnahmen werden zudem von Adi Geyer wissenschaftlich begleitet. Wie sich die Flächen entwickeln und ob die Maßnahmen ihre erhoffte Wirkung haben, wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen. Dieses Jahr scheint der Trend bei der Berghexen-Population in Heidenheim positiv zu sein.   


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