ObstWiesenVielfalt -Das ObstWiesenprojekt des Landkreises Roth

Streuobstwiese in Großweingarten

Wir können auf erfolgreiche Jahre (2017-2020) beim Erhalt der Streuobstwiesen im Landkreis Roth zurückblicken. Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Sie leisten hierdurch einen wertvollen Beitrag zum Biotopverbund, zum Insekten- und Artenschutz und zur Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie.

Und die gute Nachricht: Der Landkreis Roth hat entschieden, das Projekt ObstWiesenVielfalt auch in den kommenden 3 Jahren zu fördern. Projektpartner ist der Landschaftspflegeverband Mittelfranken

Gibt es alte Obstbäume die Ihnen am Herzen liegen? Haben Sie Ideen, die Sie zum Erhalt der Streuobstwiesen gerne umsetzen möchten? Gerne stehen wir Ihnen für ein Gespräch und die praktische Umsetzung jederzeit zur Verfügung.

 

Projektgebiet (ab 2021)

Neu ist die Ausdehnung des Projektgebietes auf die Gemeinden Georgensgmünd und Röttenbach. Zusammen mit Heideck, Spalt und Thalmässing profitieren nun insgesamt 5 Gemeinden.

 

Fördermöglichkeiten

  • Nachpflanzung junger Bäume auf Obstwiesen, die sonst überaltern
  • Obstbaumschnitt
  • Freistellen von Obstbäumen z.B. von Streuobstwiesen die im Laufe der Jahre von Sträuchern überwuchert wurden
  • Mahd und/oder BeweidungB. artenreicher Wiesen, die mangels einer Nutzung brachgefallen sind
  • Obstbaumschnittaktionen mit der Dorfgemeinschaft
  • Unverwertetem Obst einen Wert geben: ObstsammelaktionenB. mit Schule, Kindergarten, Vereinen
  • Neuanlage von Streuobstwiesen
  • Insektenschonende Mahd mit Messerbalken
  • Beratung zum Vertragsnaturschutzprogramm
  • Beratung zu Ihren Anliegen rund um das Thema Streuobst und blütenreiche Wiesen
  • Beratung und Neuanlage blüten- und insektenreicher Wiesen (ab einer Mindestgröße von ca 0,3 ha)
  • Beratung von Schafhalter*innen

Voraussetzung ist, dass die Flächen in der freien Landschaft liegen (auch am Ortsrand und bei besonderer Bedeutung sind auch innerorts Förderungen möglich), und die Wiese nicht dauerhaft und fest eingezäunt ist (Ausnahme Weidetiere).  

 

Bilanz 2017-2020:

  • 364 neu gepflanzte Streuobstbäume, viele Landwirte, Privatpersonen und Gemeinden engagierten sich
  • Obstbaumschnitt an 431 alten, wertvollen Streuobstbäumen - in Zusammenarbeit mit Baumwarten
  • 6 Obstbaumschnittaktionen mit Dorfgemeinschaften und Bauhof
  • Entbuschungen auf 39 Flächen
  • Mahd und Beweidung von Streuobstwiesen, Hutungen und blütenreichen Wiesen in Zusammenarbeit mit Landwirten, Schäfern
  • Zahlreiche Beratungen
  • Kartierung alter und seltener Obstsorten und wertgebender Tierarten

 

Streuobstwiesen – Wertvolles Biotop

Streuobst – haben wir das nicht schon 1000 mal gehört?

Es stimmt schon, dass seit dem Verschwinden der großen, zusammenhängenden Streuobstbestände in den 1970er Jahren viel für den Schutz dieses besonderen Lebensraumes getan wurde.

Dennoch sind Streuobstwiesen auch heute noch gefährdet!

Die Streuobstwiese gehört zu den gefährdetsten Lebensräumen Europas. Auch in den vergangenen Jahrzehnten ging die Zahl der Streuobstbestände weiter zurück. Dabei sind die Bestände nicht nur durch Rodung, sondern in besonderem Maße auch durch die Aufgabe der Nutzung gefährdet.

Der Landkreis Roth wirkt dem schleichenden Verfall der Streuobstwiesen im Projekt ObstWiesenVielfalt entgegen.

 

Was genau wird denn nun getan?

Ziele von ObstWiesenVielfalt 2.0 sind der Erhalt, die Wiederherstellung und die Schaffung eines funktionalen Netzes an Streuobstwiesen und arten-, blüten- und insektenreichen Dauergrünlands als Teil des Bayerischen Biotopverbundes und des Arten- und Insektenschutzes.

Neben den Fördermöglichkeiten für die Pflege der Flächen werden auch Wege der Verwertung des Obstes aufgezeigt und schon bestehende Vermarktungsinitiativen vernetzt.

Um die Streuobstbestände zu erhalten, werden zugewachsene Flächen freigestellt, Bäume gepflegt und eine nachhaltige Nutzung des Unterwuchses ermöglicht. Es werden junge Bäume nachgepflanzt, um den Erhalt der Flächen über lange Zeit zu sichern. Ganz besonders gefährdete und naturschutzfachlich hochwertige Bestände können durch den Landkreis angekauft oder langfristig gepachtet werden.

Voraussetzung für die Umsetzung von Maßnahmen ist selbstverständlich das Einverständnis der betroffenen Grundstücksbesitzer.

Ziel ist es, dass Streuobst aus der eigenen Region einen höheren Stellenwert erhält. Daher werden gemeinsame Pflege- oder Obstsammelaktionen angeboten.

 

Zur Geschichte des Projektes ObstWiesenVielfalt und was bisher geschah …

Im April 2016 hatte das Landratsamt Roth mit dem dreijährigen Projekt ObstWiesenVielfalt begonnen. Projektgebiet waren die Gemeinden Spalt, Heideck und Thalmässing, die sich durch eine Vielzahl an Streuobstflächen hervorheben.

Streuobstwiesen und –weiden gehören zu den vielfältigsten Lebensräumen in unserer Kulturlandschaft. Sie sind Rückzugsgebiete für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten und prägen die Landschaft auf einzigartige Weise. Mit zahlreichen alten und bewährten Obstsorten sind sie ein wertvolles Kulturgut und liefern zudem, ihrem eigentlichen Zweck entsprechend, gesundes Obst.

Die Zahl der Streuobstbäume nimmt leider seit Jahrzehnten stark ab. Viele Bäume werden nicht mehr geerntet, die Bestände fallen brach, häufig folgen anderweitige Nutzungen. Streuobst zählt heute zu den gefährdetsten Lebensräumen Mitteleuropas.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken startete das Landratsamt Roth 2016 das dreijährige Projekt „ObstWiesenVielfalt“

Im Jahr 2016 führte der Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V. die Strukturkartierung durch, die einen Überblick über den Zustand der Streuobstwiesen in den vormals drei Projektgemeinden (Heideck, Spalt, Thalmässing) erlaubte. Besonders deutlich zeigt sich, dass viele Bäume geschnitten werden müssten. So waren ungefähr 70% der Bestände mit überwiegend alten Bäumen, die einen fachgerechten Schnitt benötigten. Doch auch 50% der Bestände, deren Bäume sich im besten Ertragsalter befinden, müssen geschnitten werden.

Im Jahr 2017 wurden durch das Planungsbüro ANUVA aus Nürnberg auf ausgewählten Flächen verschiedene Tier- und Pflanzenarten untersucht. Durch diese Ergebnisse konnten Pflegemaßnahmen den speziellen Bedürfnissen der dort vorkommenden Arten angepasst werden. 2018 beauftragte das Projekt ObstWiesenVielfalt einen Pomologen um auf ausgewählten Flächen die Obstsorten zu erfassen. Somit sollen seltene und vom Aussterben bedrohte Obstsorten dauerhaft erhalten bleiben.

Der fachgerechte Obstbaumschnitt war Inhalt von Schnittaktionen mit Dorfgemeinschaften. Die erste Veranstaltung wurde im Frühjahr 2017 in Enderndorf durchgeführt. 2018 erfolgten zwei weitere dorfgemeinschaftliche Schnittaktionen in Reinwarzhofen und Stauf. 2019 trafen sich die Bürger von Eysölden um gemeinsam ihre Streuobstwiese wieder auf Vordermann zu bringen. Bei diesen Aktionen arbeitete der Landkreis eng zusammen mit den Baumwarten und Landschaftsobstbaumpfleger*innen sowie mit der Kreisfachberatung.

Auch ein Grobkonzept für einen Lehrpfad wurde erarbeitet der die Besonderheiten der Streuobstwiesen vermitteln soll.

Melden Sie sich bei uns, wir beraten Sie gerne!

Kontakt

Beantragung von Fördergeldern, Organisation und Durchführung übernehmen in Zusammenarbeit mit Ihnen gerne der Landschaftspflegeverband Mittelfranken (Frau Menzel 0981-4653-3527, menzel@lpv-mfr.de) und die Untere Naturschutzbehörde.

Wir freuen uns auf den gemeinsamen Einsatz mit Ihnen für den Erhalt unserer artenreichen Landschaften.

 

Förderhinweis

Das Projekt ObstWiesenVielfalt wird aus Ersatzgeldern des Landkreises Roth finanziert, viele Maßnahmen erhielten zudem eine Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz und des Bezirks Mittelfranken.

Förderkriterien Obstbaumschnitt im Rahmen des Projektes ObstWiesenVielfalt

Weiterhin stellte das Projekt im Winterhalbjahr 2017/2018 erstmals Fördergelder für den Obstbaumschnitt von ökologisch wertvollen Hochstämmen in den Projektgemeinden zur Verfügung. Diese Förderung war für Mittelfranken einzigartig und startete als Pilotprojekt mit einem beschränkten Fördertopf. Ziel war es die alten Streuobstbäume mit ihrer Bedeutung für Landschaft, Tiere und Pflanzen zu erhalten und zu fördern. Aufgrund der guten Resonanz wird der Obstbaumschnitt naturschutzfachlich bedeutsamer Streuobstwiesen ab 2021 über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie des Landes Bayern gefördert.

Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist u.a. dass der Obstbaumschnitt durch speziell hierfür ausgebildete Personen wie z.B. Baumwarte oder Landschaftsobstbaumpfleger/innen durchgeführt wird. Die Höhe der Förderung umfasst 75 % (bis max. 90%) der Kosten, die restlichen Kosten übernimmt der Eigentümer.

Kriterien:

  • Flächen mit mind. 10 Obstbäumen.
    (In begründeten Ausnahmefällen Bestände mit weniger Obstbäumen, aber mit sehr hoher ökologischer Wertgebung)
  • Ökologisch wertvolle Hochstämme
  • Lage in der freien Landschaft (Ausnahmen möglich)
  • Keine Einzäunung (Ausnahmen möglich)

Bei ökologisch wertvollen Hochstämmen, die aufgrund ihres Alters (Ertrags-, Alters- und Zerfallphase) hohe naturschutzfachliche Bedeutung z.B. als Höhlenbäume für Höhlenbrüter, als Sommerquartier für Fledermäuse etc. besitzen kann der Obstbaumschnitt gefördert werden. Meist handelt es sich dabei um Streuobstbäume die seit vielen Jahren ungeschnitten sind. Dies führt in vielen Fällen zu einem ungleichem Kronenaufbau mit der Gefahr, das Krone und/oder Baum vorzeitig auseinanderbrechen. Ungeschnittene Streuobstbäume in der Ertrags-/Altersphase neigen dazu, überwiegend Früchte zu produzieren und stellen die Triebbildung fast komplett ein. Dies führt zu einer vorzeitigen Alterung und einem Ableben des Baumes, bevor sein natürliches Alter bei Äpfeln 100-120 Jahre, bei Birnen bis 300 Jahre, bei Zwetschgen 60-70 Jahre erreicht ist.

Um Vitalität, Stabilität und Lebensdauer dieser alten, hochwertigen Streuobstbäume zu erhöhen und dadurch den Lebensraum zu erhalten wird ein naturschutzfachlicher Obstbaumschnitt durch qualifizierte Personen (z.B. Baumwarte, Landschaftsobstbaumpfleger/innen) durchgeführt. Vorrangig ist die Orientierung an den Kriterien: Vitalität erhöhen, Lebensdauer verlängern, Stabilität herstellen, wertvolle Habitatstrukturen erhalten. Der Ertragsgedanke spielt eine untergeordnete Rolle. Ziel ist in erster Linie ein Erneuerungsschnitt. Erst wenn aufgrund fehlender Vitalität und Standfestigkeit kein Erneuerungsschnitt in Frage kommt, kann zum Erhalt des Baumes ein Entlastungsschnitt durchgeführt werden.

Die Arbeiten werden im Zeitraum Anfang November bis Ende Februar durchgeführt werden.

Förderkriterien

Ziele

  • Lebensverlängerung von Habitatbäumen
  • Naturschutzfachlich interessante Lebensräume z.B. Höhlen (!), Pilzkonsolen, Totholz erhalten
  • Verbesserung der Vitalität und Lebensdauer

Art des Obstbaumschnittes

  • Angestrebt wird ein Extensiver Erneuerungsschnitt (falls dies nicht mehr möglich ist ggf. ein Entlastungsschnitt)
  • Schnittgut auf Haufen (Abfuhr, Tragen zum Parzellenrand erfolgt von Seiten der Flächeneigentümer bzw. Nutzer)
  • Maximal 30 % schneiden, auch wenn die Optik noch nicht perfekt ist

Auch der Sommerschnitt bzw. Sommerriss kann gefördert werden.

Eine Maßnahmenübersicht zum Projekt finden Sie hier


© Landschaftspflegeverband Mittelfranken